Die Geschichte

Die Geschichte des ehem. Weißblechwerks (Walzwerks) Wissen

Weißblech – der Stoff aus dem die Spielzeug-Träume sind – Das Walzen von Stahl zu dünnen Blechen, den Feinstblechen, war erst durch den Einsatz von hochentwickelten Walzverfahren gegen Ende des 17. Jahrhunderts möglich geworden. Weißblech ist kaltgewalzter Stahl mit einer Dicke bis zu 0,49 Millimeter. Überzogen ist das Blech mit einer hauchdünnen Zinnschicht, die das Material vor Rost schützt. Heute ist die Blechdose das bekannteste Produkt aus Weißblech. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stellte man kunstvoll gefertigtes Spielzeug aus dem dünnen Blech her. Damals waren das noch Einzelanfertigungen, die wegen ihrer hohen Preise nur für die oberen Einkommensschichten erschwinglich blieben.

1873: Bau des Hochofenwerks „Alfredhütte“(bis 1916 mit drei Hochöfen) auf dem Gelände der heutigen Spedition Brucherseifer.

1910-1912: Bau des Weißblechwerkes auf dem Gelände des ehem. Werks I (heute Gewerbegebiet Frankenthal). 50 % der verbrauchten Weißbleche stammten zu dieser Zeit aus dem Ausland. Der Bau des Wissener Werks obliegt Dr. Karl Grosse, der 1910 die Pläne anlässlich des Besuches eines englischen Werkes schmiedete und rasch umsetzte.

1912: Inbetriebnahme des Wissener Weißblechwerks

bis 1937: Während die Hochöfen hier Strukturveränderungen in der Wirtschaft zum Opfer fallen, entsteht in Wissen das modernste Weißblechwerk Europas mit fast 3000 Beschäftigten.

1939: Mit Beginn des Krieges untersagt das Reichswirtschaftsministerium zunächst den Betrieb. Die Umlegung von Schwarzblechaufträgen ermöglicht wenig später wieder den Betrieb.

1945: Schwere Luftangriffe auf Wissen. Mit Kriegsende wird das Werk vollständig stillgelegt.

1946: Am 1. Juli wird das Werk wieder in Betrieb genommen. Alle Kaltwalzanlagen werden dem neuesten Stand der Technik angepasst und die Kapazitäten in den nächsten Jahren verdoppelt.

1952: Die bisherige Betreibergesellschaft wird liquidiert und als „Hüttenwerke Siegerland AG“ neu gegründet. 1952/52 hat das Wissener Werk 2.300 Beschäftigte.

1956-1961: Bau einer elektrolytischen Bandverzinnung und endgültige Umstellung der Warmwalzung auf Kaltwalzung (1962).

1962: Endgültige Stilllegung des Kaltwalzwerks und Verringerung der Beschäftigung auf durchschnittlich 825 Mann. Diese Zahl bleibt bis 1975 relativ konstant.

1969: Übernahme der Hüttenwerke Siegerland AG in die Hoesch AG.

1972: Die Hoesch AG Dortmund und eine Niederländische Firma gründen gemeinsam Estel NV Nimwegen. Diese wird 1982 aufgelöst.

1973/1974: Mit 189.000 Tonnen Rohblech (1973), 138.000 Tonnen Weißblech (1974) elektrolytisch verzinnt und 16.000 Tonnen feuerverzinnt, erreicht das Wissener Werk die höchsten Erzeugerzahlen. Die 189.000 Tonnen Rohblech entsprechen der Ladung von 6.300 LKWs im Jahr.

ab 1975: Der Zwang zur Rationalisierung nimmt immer weiter zu. Stetiger Abbau der Belegschaft.

1984: Gründung der Hoesch-Stahl AG.

1985: Die Stahlkrise der Achtziger Jahre führt dazu, dass das Werk nur noch 535 Beschäftigte hat. Diese werden kontinuierlich weiter reduziert. Es erfolgt später die Übernahme durch die Krupp AG und das Werk gehört zum Krupp-Hoesch-Konzern.

1985-95: Die Stahlmarktpreise fallen immer weiter und die Produktion in Deutschland ist zu teuer. Länder in Fernost, vor allen Dingen China, produzieren und walzen günstiger. Die Chinesen sind es auch, die das Kaltwalzwerk auf dem Werk I-Gelände in Wissen Ende der Achtziger vollständig demontieren und in China wieder aufbauen. Das Werk I im Frankenthal, wo die Geschichte des Wisserner Weißblech anfing, ist zunächst tot. Später siedeln sich dort Automobil- und Handwerksbetriebe an.

1995: Am 30. Juni ist die letzte Schicht und in Wissen geht eine Ära zu Ende. Die noch verbleibenden Beschäftigten der Bandverzinnung kommen in den Werken Eichen und Ferntal im Siegerland oder bei Rasselstein (Neuwied) unter.

1995-2002: Die Industriebrache liegt still und gehört jetzt zur ThyssenKrupp Immobilien GmbH, die das Gelände brach liegen lässt.

2000: Am 23. Mai startet ein Forum „Zukunftsschmiede“ unter externer Moderation der Uni Siegen mit Bürgerinnen und Bürgern aus der Region, die Teile des alten Industrieareals mit Kultur beleben möchten. Der Arbeitskreis Kultur, der die Wissener eigenART organisiert, entsteht.

2002: Die Wissener eigenART lockt im Mai/Juni mit Musik und Theater an vier Tagen über 13.000 Menschen in das ehemalige Walzwerk.

Am 6. Juni wird der Förderverein kulturWERKwissen e.V. im ehem. Walzwerk von 60 Menschen ins Leben gerufen.

Oktober: Kauf der gesamten Industriebrache durch die Spedition Brucherseifer.

2003: Umbau und Sanierung des gesamten Areals und Nutzung der Hallen 1 und 2 zu Logistikzwecken (Lagerhallen), vor allem für die Automobilindustrie.

Zweite Wissener eigenART mit Musik und Theater im Walzwerk.

Der Firmenchef, Ullrich Brucherseifer, erklärt gegenüber dem kulturWERKwissen e.V. die ehemalige Reparatur- und Ausbildungswerkstatt (Halle 5) als Halle der Industriekultur für Veranstaltungen bereitzustellen.

2009: Die Multifunktionshalle kulturWERKwissen wurde am 16. Mai offiziell eröffnet!